Salonkultur - Der Literarische Salon - Berlin

Litrarische Salonkultur

Veranstaltungen 2008
Gelaufene Veranstaltung

Donnerstag, 25. September 2008 um 20.30 Uhr
in der Z-BAR

Lesung

Jürg von Ins (Schweiz) liest Gedichte aus seinem neuen Buch "Ich hab kein Wort verloren" (Wolfbach Verlag Zürich 2008)

Wer die Gedichte von Jürg von Ins liest, braucht keine Spirituosen mehr. Er lehnt sich zurück und hat für Stunden Stoff zum Träumen. Aber wie beim Konsum anderer Stimulantien wird er nicht richtig satt davon, im Gegenteil.

Die Gedichte neigen auch zum stechenden Aphorismus. „Oft zahlt des Einen Neugeburt/ ein Andrer mit dem Tod“ oder „Wahrheit ward immer schon herausgezogen/ aus etwas Anderem, das vorher war“. Bei Jürg von Ins passiert die Erkenntnis bisweilen wie ein Unfall. „Schau nicht, wo du hingefallen/ schau wo ausgerutscht“. Bewusstes Schlittern. Das Gedicht als kultivierter Lapsus. Lallen und Heiliger Geist sind nicht immer zweifelsfrei auseinander zu halten.

Eigentlich ist ja jeder Dichter ein Rumpelstilzchen. Er fordert die Leute auf, seinen Namen herauszufinden, und macht es ihnen zugleich schwer. Nur manchmal, wenn er meint, niemand schaue ihm zu, verrät er sich plötzlich beim nächtlichen Feuertanz.

Wie nahe liegen hier das Erhabene und das Lächerliche nebeneinander, wie leidenschaftlich sind sie ineinander verkrallt! Das Heilige weiss, dass es jeden Moment auf einer Bananenschale ausrutschen könnte. Und wie ein Kanon hat dieser Gedichtkreis von Jürg von Ins eigentlich kein Ende. Wir brechen die Fahrt mit der einen Stimme ab, während die andere anderswo neu beginnt. David Signer
 Jürg von Ins
Bild: © Privat
Jürg von Ins,geboren 1953, studierte Ethnologie und Philosophie. Er ist Privatdozent an der Universität Bern und Lehrbeauftragter der Universität Zürich. 1979 bis 1998 leitete er Forschungsprojekte über Heilrituale in Ghana und Senegal. Seine Forschungsergebnisse publizierte er 2001 unter dem Titel ‚Der Rhythmus des Rituals’ im Reimer Verlag, Berlin. ‚Papa tabu’ nimmt den Inhalt dieser Studie in Romanform auf und macht ihn einem breiteren Publikum zugänglich. Neben der wissenschaftlichen Arbeit war von Ins immer auch literarisch tätig. 2008 erschien im Wolfbach Verlag der Gedichtband „Ich hab kein Wort verloren“. 2009 schrieb er das Versdrama „Peer Gynt – der Weg des blinden Schamanen“, dessen Uraufführung noch bevorsteht.
www.juergvonins.ch
Der Literarische Salon Britta Gansebohm
in der Z-BAR
Bergstr. 2, Nähe S-Bahnhof Oranienburger Straße , 10115 Berlin
www.z-bar.de
Der literarische Salon
auf facebook