Salonkultur - Der Literarische Salon - Berlin

Litrarische Salonkultur

Veranstaltungen 2006
Gelaufene Veranstaltung

Donnerstag, 21. Dezember 2006 um 20.30 Uhr
im BKA-Theater

Lesung

Gernot Wolfram liest aus Paul Mühsam. Der Widerstand der Wörter

In Kooperation mit dem Verlag Hentrich & Hentrich. Mit freundlicher Unterstützung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.


Bild: © Jürgen Horn
Vivian Kanner bekam die Liebe zur jiddischen Musik schon als Kind von ihren Eltern und Großeltern vermittelt und interpretiert die Lieder mit "viel Herz und viel Gefühl", ohne jedoch die üblichen Klischees zu bedienen. Sie überzeugt durch ihre ausdrucksstarke Stimme und durch ihre mitreißende und humorvolle Bühnenpräsentation. Siehe auch viviankanner.com


Gernot Wolfram liest aus seiner Monographie "Paul Mühsam. Der Widerstand der Wörter. Ein Leben zwischen Deutschland und Palästina." (Jüdische Miniaturen. Herausgegeben von Herrmann Simon. Bd. 55, 2006) Vivian Kanner singt jüdische Lieder, am Flügel: Marian Lux

Der Schriftsteller und Jurist Paul Mühsam (1876-1960), Vetter von Erich Mühsam, gehört zu einer Generation der doppelt Vertriebenen und Entfremdeten. Als er 1933 nach Palästina emigrierte, weil die Nazis seine Bücher verbrannten und ihm die Anwaltslizenz entzogen, ahnte er nicht, dass er sein Heimatland nie mehr betreten würde. In Palästina angekommen, gelang es ihm nicht, Hebräisch zu lernen und in der Kultur des neuen Landes aufzugehen. So wurde er in Israel wie in Deutschland vergessen. Bis an sein Lebensende schrieb er weiter auf deutsch, nur einem kleinem Publikum vertraut und dennoch voller Zuversicht, dass dieser Schreibprozess einen Sinn in sich selbst hatte. Schriftsteller wie Stefan Zweig oder Shalom Ben-Chorin schätzten sein Werk außerordentlich hoch ein, nicht zuletzt wegen seiner zentralen Fragestellungen zur jüdisch-christlichen Verständigung.

Paul Mühsams Autobiographie "Ich bin ein Mensch gewesen" zählt zu den großen, zu Unrecht vergessenen Erinnerungsbüchern des 20. Jahrhunderts. Sie ist Zeugnis eines Weltbürgers, der das gewagte Experiment einer Trennung zwischen sprachlicher und politischer Geschichte unternahm. Der Schriftsteller und Publizist Gernot Wolfram hat mit seiner kleinen Monographie "Der Widerstand der Wörter" den Versuch unternommen, auf Paul Mühsam hinzuweisen.

Außerdem erschienen in der Reihe "Jüdische Miniaturen" Monographien über Albert Einstein, Jurek Becker, Sigmund Freud, Billy Wilder u.a.
Dr. phil. Gernot Wolfram
Bild: © Nesrin Uzunal
Gernot Wolfram, Jahrgang 1975, arbeitet als Autor/Publizist und Dozent für Kulturwissenschaften. 2003 erschien sein vielbeachteter Erzählungsband "Der Fremdländer". Sein erster Roman "Samuels Reise" erschien 2005, 2006 sein Buch "Birg mich" über jüdische Identität in der deutschen Literatur, 2008 schrieb er das Libretto zu der Ska-Revue "Radio Babylon". Er hat Essays und Erzählungen in Zeitschriften veröffentlicht und u.a. für die FAZ, DIE WELT, Süddeutsche Zeitung sowie für Rundfunk und Theater geschrieben. 1995 erhielt er den Landespreis für deutsche Sprache und Literatur Baden-Würtemberg. Im November 2002 erhielt er für seine Geschichte "Am Radio" den Walter-Serner-Preis.
Der Literarische Salon Britta Gansebohm
im BKA-Theater
Mehringdamm 34, Berlin-Kreuzberg (UBhf.: Mehringdamm), 10961 Berlin