Salonkultur - Der Literarische Salon - Berlin

Litrarische Salonkultur

Aktuelle Veranstaltung

Mittwoch, 10. Februar 2016 um 20.30 Uhr
in der Z-BAR

Lesung mit Gespräch

Norman Ohler liest aus seinem Buch „Der totale Rausch. Drogen im Dritten Reich“ (Kiepenheuer & Witsch, 2015)

Eine Veranstaltung im Rahmen des gemeinnützigen Vereins "Freunde und Förderer des Literarischen Salons e.V.".

Über Drogen im Dritten Reich ist bislang wenig bekannt. Norman Ohler geht den Tätern von damals buchstäblich unter die Haut und schaut direkt in ihre Blutbahnen hinein. Arisch rein ging es darin nicht zu, sondern chemisch deutsch – und ziemlich toxisch. Wo die Ideologie für Fanatismus und »Endsieg« nicht mehr ausreichte, wurde hemmungslos nachgeholfen, während man offiziell eine strikte Politik der »Rauschgiftbekämpfung« betrieb. Als Deutschland 1940 Frankreich überfiel, standen die Soldaten der Wehrmacht unter 35 Millionen Dosierungen Pervitin. Das Präparat – heute als Crystal Meth bekannt – war damals in jeder Apotheke erhältlich, machte den Blitzkrieg erst möglich und wurde zur Volksdroge im NS-Staat. Auch der vermeintliche Abstinenzler Hitler griff gerne zur pharmakologischen Stimulanz: Als er im Winter 1944 seine letzte Offensive befehligte, kannte er längst keine nüchternen Tage mehr. Schier pausenlos erhielt er von seinem Leibarzt Theo Morell verschiedenste Dopingmittel, dubiose Hormonpräparate und auch harte Drogen gespritzt. Nur so konnte der Diktator seinen Wahn bis zum Schluss aufrechterhalten. Ohler hat bislang gesperrte Materialien ausgewertet, mit Zeitzeugen, Militärhistorikern und Medizinern gesprochen. Entstanden ist ein erschütterndes, faktengenaues Buch.

Der totale Rausch wurde von dem bedeutenden Historiker Hans Mommsen begleitet, der das Nachwort beisteuert. Sein Fazit: »Dieses Buch ändert das Gesamtbild.«

2015 ist nach fünfjähriger Recherche Ohlers erstes Sachbuch »Der totale Rausch« über die bisher kaum aufgearbeitete Rolle von Drogen im Dritten Reich erschienen. Für Der totale Rausch recherchierte er fünf Jahre lang in Archiven in Deutschland und den USA und wertete zahlreiche Originalmaterialien aus, die der Forschung entgangen waren.

PRESSESTIMMEN

»Norman Ohlers Buch ist [...] eines der interessantesten Bücher der letzten Jahre.«
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

»Überzeugt auch gestandene Wissenschaftler.«
Süddeutsche Zeitung

»Ohler schreibt Literatur, eine historiographische Variante des New Journalism.«
Der Spiegel

»Ein verwegen-fesselndes Buch«
Stern

»Ein wichtiges Buch«
Deutschlandradio

»Ein klug recherchiertes Buch, das erstmals ausführlich belegt, wie perfide die Drogenpraxis der Nationalsozialisten war.«
RBB, Stilbruch

»Ohler ist ein gleichermassen rasantes wie informatives Sachbuch-Debüt gelungen.«
Tages-Anzeiger

»Beinahe im Leserausch verschlingt man die rund 360 Seiten.«
SWR Landesschau Rheinland-Pfalz

»Sensational«
Daily Mail


 Norman Ohler
Bild: © Joachim Gern
Norman Ohler wurde 1970 im pfälzischen Zweibrücken geboren. Nach dem Abitur schrieb er 1990 seine erste Novelle »Der Reporter«. Mit 22 Jahren besuchte er die renommierte Hamburger Journalistenschule, es folgten Arbeiten für die Zeitschriften »Spiegel«, »Stern« und »Geo«.

1993 zog Norman Ohler nach New York und war dort 1994 Mitbegründer der Tribes Gallery in Manhattan. Die Kurzgeschichte »The Longer the Better« erschien im dazugehörigen »Tribes Magazine«. In New York arbeitete er an seinem ersten Roman »Die Quotenmaschine« – der Geschichte des stummen Detektivs Rutenberg. 1995 erschien der Roman, mit Hyperlinks versehen, im Netz. »Die Quotenmaschine« gilt als weltweit erster Online-Roman und wurde 1996 in Deutschland und Spanien als Hardcover veröffentlicht.
Ohlers nächste Wohnung in Berlin-Mitte, in einem kurz vor der Entkernung stehenden Altbau direkt am Hackeschen Markt, wurde Ausgangspunkt für seinen zweiten Roman: »Mitte« (2001), eine Geistergeschichte über die zunehmende Kommerzialisierung von Berlin.

1999 begann Ohler mit der Arbeit an seinem dritten Roman »Stadt des Goldes« (2002), der den Abschluss seiner Metropolentrilogie bildet. Er erzählt von dem jungen deutschen Journalisten Kraner, der in Johannesburg die schwarze Südafrikanerin Lucy wiedertrifft, die gegen Ende der Apartheid als Drogenkurierin in den USA verhaftet worden ist. »Stadt des Goldes« ist ein urbaner Abenteuerroman und zugleich das spannende Porträt einer Stadt am Rande des sozialen Abgrunds.
2004 hatte Ohler als Stadtschreiber in Ramallah, Palästina, als letzter Europäer die Gelegenheit, ein Interview mit Jassir Arafat kurz vor dessen Tod zu führen.
Im Winter 2006 veröffentlichte Ohler vom Iran aus einen Podcast über seine Reise.
Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschlands.

Im Bereich Film schrieb er zusammen mit Wim Wenders am Drehbuch des Spielfilms »Palermo Shooting« (Premiere in Cannes 2008) und führte zwei Jahre später Regie bei seinem ersten Kurzfilm »natural«, mit Henry Hopper in der Hauptrolle.
Moderation: Britta Gansebohm
Freunde und Förderer des Literarischen Salons e.V.
in der Z-BAR
Bergstr. 2, Nähe S-Bahnhof Oranienburger Straße , 10115 Berlin
www.z-bar.de
Eintritt: 7 Euro/ ermäßigt 5 Euro
Reservierung: 0175 - 52 70 777
oder per Mail: britta.gansebohm@salonkultur.de
Vorankündigung

Freitag, 26. Februar 2016 um 20.30 Uhr
in der Z-BAR

Lesung mit Gespräch

Matthias Nawrat liest aus seinem Roman „Die vielen Tode unseres Opas Jurek“ (Rowohlt Verlag, 2015)

Die Veranstaltung wird aus Mitteln des Förderprogramms Grenzgänger der Robert Bosch Stiftung unterstützt.

Viele Tode musste Opa Jurek in seinem Leben sterben: im besetzten Warschau, nachts auf der Straße, wo er in der Sperrstunde zwei deutschen Soldaten in die Arme läuft. In der „weltberühmten“ Ortschaft Oświęcim, in der er als Zwangsarbeiter den Todeshunger kennenlernt. In Opole, der vom Krieg zerstörten Stadt auf dem Mond, wo er vor den leeren Regalen seines Lebensmittelgeschäfts Nr. 6, noch immer sterbenshungrig, von Delikatessen und mehrgängigen Mittagessen träumt. Und auch, als er schon längst mit Oma Zofia verheiratet ist und ihre Tochter sich in einen schulbekannten Delinquenten und Sohn regimekritischer Eltern verliebt, der sie nach Kanada entführen will … Denn da steigt Opa Jurek, inzwischen Direktor eines Warenhauses, für kurze Zeit zum erfolgreichsten Delikatessenverkäufer von Opole auf – und findet sich, scheinbar unschuldig, in der Todesdunkelheit einer Zelle wieder.

Matthias Nawrats herzzerreißend traurige, schaurig-komische Familiengeschichte verbindet Alltag und Politik, Straßenwitz und Kriegserfahrung, Autobiographisches und Fiktion zu etwas, das stärker nachwirkt als jede romanhafte Biographie: dem Schelmenroman eines polnischen Großvaters, der – die Gräuel des Krieges und des Totalitarismus herabmildernd und die eigene Heldenrolle auffrisierend – Geschichten erzählt, die gerade im Begriff sind, Geschichte zu werden. Ein lebendiger, an Zwischentönen reicher, aber auch abgründiger Roman über eine Familie vor dem Hintergrund der Geschichte Polens und Europas im 20. Jahrhundert.

PRESSESTIMMEN

»Ein klassischer Schelmenroman, der sich Großes vornimmt: nicht mehr und nicht weniger die ganze Geschichte Polens, vor allem die des 20. Jahrhunderts, am Beispiel eines gewissen Opa Jurek zu erzählen. Ein bedenkliches Wagnis, doch nach der Lektüre stellt man verwundert fest, dass Nawrat nahezu Unmögliches gelungen ist. … Aber das große Thema dieses an die erzählerische Kühnheit von Knut Hamsun erinnernden Romans ist auch der Hunger.«
Artur Becker, Frankfurter Rundschau

»Kann ein Roman die zerrissene Geschichte eines Landes erzählen und zugleich ein berührendes Schicksal beschreiben? Kann eine Erzählung sowohl tragisch sein als sich tragikomisch der Katastrophe widersetzen? Matthias Nawrat beweist im Roman Die vielen Tode unseres Opas Jurek, dass all dies möglich ist. Noch nie ist es einem Autor gelungen, die neuere Geschichte Polens derart klug in einer Mischform aus Witz und Tragik erzählerisch zu verdichten. Gerade in der Gratwanderung gewinnt dieses großartige Buch seine volle verstörende Kraft.«
Tomasz Kurianowicz, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Als hätte ihm Roberto Benigni über die Schulter geblickt … Nur dass sein <>La vita è bella noch weiter geht. Immer tiefer dreht [Matthias Nawrat] die Schraube der Absurdität ins Gefüge des Textes ein, indem er verschiedene Geschichten gegeneinander setzt, mit Tautologien und Widersprüchen, mit semantischen Verschiebungen und kleinen Sprachspielen arbeitet. … Und doch gelingt es ihm, die Geschichten von Opa Jurek in all ihren sinnlichen Einzelheiten und erzählerischen Verschattungen aufzufalten.«
Nico Bleutge, Süddeutsche Zeitung

»Matthias Nawrat führt auf mindestens doppelbödige Weise vor Augen, mit welcher Macht Sprache unsere Vorstellung der Wirklichkeit formt. Mit Die vielen Tode unseres Opas Jurek, der von einer herrlichen Komik ist, bisweilen von einer sanft tänzelnden Ironie strahlt und der nur so Funken schlägt vor Fabulierlust, hat er nicht zuletzt eine Liebeserklärung an seine Heimat mit all ihren Absonderlichkeiten und dunklen Seiten geschrieben.«
Wiebke Porombka, NZZ am Sonntag

»So bewegend … wie die Geschichte Polens im vergangenen Jahrhundert. … die groteske Perspektive Jureks, durch die der Erzähler die welthistorischen Ereignisse spiegelt, [verleiht] diesem Schelmenroman seinen herzzerreißenden Charme.«
Johannes Balle, Kölner Stadt-Anzeiger


 Matthias Nawrat
Bild: © Sebastian Hänel
Matthias Nawrat, 1979 im polnischen Opole geboren, siedelte als Zehnjähriger mit seiner Familie nach Bamberg um. Er studierte in Freiburg und Heidelberg Biologie, danach am Schweizer Literaturinstitut in Biel. Für seinen Debütroman «Wir zwei allein» (2012) erhielt er u.a. den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis. Sein Roman „Unternehmer“ (2014), euphorisch besprochen und für den Deutschen Buchpreis nominiert, wurde u.a. mit dem Kelag-Preis und dem Bayern 2-Wortspiele-Preis ausgezeichnet. Den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 2016 erhält Matthias Nawrat für seinen Roman «Die vielen Tode unseres Opas Jurek». Matthias Nawrat lebt in Berlin.
Moderation: Britta Gansebohm
Freunde und Förderer des Literarischen Salons e.V.
in der Z-BAR
Bergstr. 2, Nähe S-Bahnhof Oranienburger Straße , 10115 Berlin
www.z-bar.de
Eintritt: 7 Euro/ ermäßigt 5 Euro (für Berlin-Ausweisträger & Studenten)
Reservierung: 0175 - 52 70 777
oder per Mail: britta.gansebohm@salonkultur.de
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