Salonkultur - Der Literarische Salon - Berlin

Litrarische Salonkultur

Aktuelle Veranstaltung

Donnerstag, 13. November 2014 um 20.30 Uhr
in der Z-BAR

Lesung mit anschl. Gespräch

Marko Martin liest aus aus seinem neuen Buch "Treffpunkt ’89. Von der Gegenwart einer Epochenzäsur" (Wehrhahn Verlag, 2014)

Eine Veranstaltung im Rahmen des Vereins "Freunde und Förderer des Literarischen Salons e.V."


Bild: © Cover: Wehrhahn Verlag
Schnurrt unsere Erinnerung an das Revolutionsjahr 1989 tatsächlich auf die bis zum Überdruss gezeigten Fernsehbilder zusammen? Für Marko Martin – Schriftsteller, Essayist und Reisender aus Passion – ist jenes Jahr ungleich mehr. Im Mai 1989 als Kriegsdienstverweigerer aus der DDR ausgereist, erinnert er nun ein Vierteljahrhundert später nicht etwa an das sattsam Bekannte, sondern an die Vorgeschichte der Umwälzung ebenso wie an ihre heutigen Spuren im Gesicht der Welt.

Sein Augenmerk liegt dabei auf den antitotalitären Vordenkern wie etwa Manès Sperber, Arthur Koestler, Vaclav Havel und Albert Camus. Wichtige intellektuelle Protagonisten lernte er noch persönlich kennen: Jürgen Fuchs, Reiner Kunze, Melvin Lasky, Ralph Giordano, Czeslaw Milosz, Tomas Venclova, André Glucksmann, Milo Dor oder Francois Fejtö, dazu emigrierte Dissidenten zwischen Toronto, Lissabon und Hongkong.

»1989« wird in dieser Sammlung von Essays, Reportagen und Porträts als bis heute fortwirkende Zeit-Zäsur sichtbar, die sich nicht allein auf den Berliner Mauerfall reduzieren lässt. Denn selbst über Mitteleuropa geht diese Jahrhundertgeschichte hinaus, erinnert jenes Jahr doch auch an die blutige Niederschlagung der Pekinger Studentenproteste und an das erste Aufbegehren der Zivilgesellschaft in Birma.

Martin sucht und findet die Spuren des Vergangenen und kommt trotz allem zu einem optimistischen Resümee: Wer die Zeit um 1989 aktiv erlebt hat oder zumindest erinnert, besitzt gute Voraussetzungen, sich auch in der Gegenwart nicht einschüchtern zu lassen – weder von Diktaturen noch von medialer Vergesslichkeit.

 Marko Martin
Bild: © privat
Marko Martin, geboren 1970 in Burgstädt/Sachsen, lebt – wenn er nicht auf Reisen ist – als freier Schriftsteller in Berlin. Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen zählen u.a. drei Bücher über Melvin Laskys Zeitschrift »Der Monat«, der Roman »Der Prinz von Berlin«, die Südostasien-Reportagen »Sonderzone« sowie zwei Erzählbände in der renommierten ANDEREN BIBLIOTHEK. Im Wehrhahn Verlag erschien 2013 sein Buch »Kosmos Tel Aviv«.

Mit Hochschulverbot aus politischen Gründen belegt, verließ Marko Martin im Mai 1989 als Kriegsdienstverweigerer die DDR und siedelte in die Bundesrepublik über, wo er Germanistik, Politikwissenschaft und Geschichte an der TU und FU Berlin mit dem Abschluss eines Magisters studierte. Nach langjährigem Aufenthalt in Paris lebt Marko Martin, sofern nicht auf Reisen, als Schriftsteller und Publizist in Berlin. In den neunziger Jahren beschäftigte er sich - als regelmäßiger Mitarbeiter der im Dezember 2012 eingestellten Zeitschrift KOMMUNE - besonders mit französischen Intellektuellen und der Exil- und Antitotalitarismus-Thematik. Inzwischen, auch als Resultat ausgedehnter Reisen in nahezu alle Weltgegenden, liegt sein publizistischer Fokus u.a. auf Israel, Lateinamerika und Südostasien sowie auf Fragen der Menschenrechte im Zeitalter der Globalisierung. Martins zahlreiche Essays, Reise-Reportagen und Literaturkritiken erscheinen vor allem in der Welt, der Neuen Zürcher Zeitung und der Zeitschrift „mare“, aber auch der „Jüdischen Allgemeinen“ und dem Zweimonatsperiodikum „Internationale Politik“. Im September 2007 war er unter Pseudonym Sonderkorrespondent der „Welt“, um im damals diktatorisch regierten Burma über die blutige Niederschlagung der friedlichen Mönchs-Proteste zu berichten. Marko Martin, verheiratet, ist Mitglied des „PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland“ und arbeitet seit Jahren in dessen Sektion „Writers in Prison“ mit.

In seinen literarischen Arbeiten beschäftigt sich Martin vor allem mit Welt- und Fremdheitserfahrungen, die positiv konnotiert sind: In seinem Roman „Der Prinz von Berlin“ (2000) wird die Metropole ironisch aus der Sicht eines jungen libanesischen Zuwanderers beschrieben, was die „taz“ zur Einschätzung brachte, der Autor sei „im Herzen ein Dissident geblieben“. Das literarische Tagebuch „Sommer 1990“ (2004) spürt den eigenen ostdeutschen Prägungen nach, während der Essayband „Kosmos Tel Aviv“ (2012) eine Hymne an des Autors erklärte zweite Heimat ist, eine „Liebeserklärung in zärtlichem hebräisch“, die von der israelischen Tageszeitung „Haaretz“ mit dem Schreibstil Bruce Chatwins verglichen wurde.

Der 2009 in der Anderen Bibliothek erschienene Prosa-Band „Schlafende Hunde“ erzählt von individuellen Schicksalen und erotischen Abenteuern vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Krisen etwa in Mexiko, Israel, Ruanda und dem Iran. Die FAZ bezeichnete die Erzählungen als „Meisterwerke der Intensität“. „Die Nacht von San Salvador“, Martins jüngster Band, 2013 wiederum in der Anderen Bibliothek erschienen, führt erneut an verschiedene Orte dieser Welt, wobei der Exotismus durch eine Vielzahl der Erzählstile gebrochen wird, wenngleich es auch hier vor allem um das Spannungsfeld zwischen Liebe, Eros, Sexus und gesellschaftlichen Brüchen geht.

Auszeichnungen

  • 1994 Arthur F. Burns Fellowship für San Francisco
  • 2003 Arbeitsstipendium der Stiftung Kulturfonds der neuen Bundesländer
  • 2004 Arbeitsstipendium des Else-Heiliger-Künstlerfonds
  • 2001, 2002 und 2005 Amsterdam-Aufenthaltsstipendium der Deutsch-Holländischen Kulturstiftung

Pressestimmen

»Bei Büchern aus der Anderen Bibliothek steht immer auch die optische Gestaltung im Mittelpunkt. Und der episodisch erzählte Roman des deutschen Reiseschriftstellers Marko Martin hält dieses Versprechen, 'andere' Literatur zu sein: hochwertige Aufmachung und ein anspruchsvoller Text. Martin nimmt seine Leser mit auf eine Reise um die Welt, indem er ein Tempo vorgibt, auf das man sich erst einlassen muss. Er erzeugt Neugierde, keine Sensationslust. Und man wird mit Erfahrung belohnt, sobald man die eigenen Erwartungen über Bord wirft.«
Siegessäule, Januar 2014

»Ein surreales Sich-durch-die-Welt-Träumen, vorbei an literarischen Anspielungen und weiten Assoziationen, entlang verwegener Handlungsstränge und inhaltsschwerer Satzkonstrukte. Die Kurzgeschichten und Dialoge in Die Nacht von San Salvador – ein Fahrtenbuch fordern heraus und geben auf eindrucksvolle Weise Rätsel auf.«
Ulrich Mayer, abenteuer und reisen, Dezember 2013

»Das Buch also eine Liebeserklärung? Ja, an das Leben, die Neugier, das Reisen und, ganz wesentlich, an die Literatur ... Doch gerade diese kritische Perspektive auf die eigene Figur, gepaart mit verschiedensten Formen des Erzählens, machen aus diesem Buch eine wahre Liebeserklärung: an das Leben und an die Freiheit.«
Carolin Fischer, Deutschlandradio Kultur, 20.11.2013


Moderation: Britta Gansebohm
Freunde und Förderer des Literarischen Salons e.V.
in der Z-BAR
Bergstr. 2, Nähe S-Bahnhof Oranienburger Straße , 10115 Berlin
www.z-bar.de
Eintritt: 7 Euro / ermäßigt 5 Euro (für Studenten & Berlinausweisträger)
Reservierung: 0175-5270777
oder per Mail: britta.gansebohm@salonkultur.de
Vorankündigung

Mittwoch, 19. November 2014 um 20.30 Uhr
in der Z-BAR

BUCHPRÄSENTATION: Lesung mit anschl. Gespräch

Constantin Göttfert liest aus seinem neuen Roman „Steiners Geschichte“ (C.H.Beck, 2014)

In Kooperation mit dem Verlag C.H.Beck


Bild: © Buchcover: C.H.Beck Verlag
Ina Steiner ist schwanger, aber kurz vor der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter bittet sie Martin, den Erzähler in Constantin Göttferts neuem Roman, um eine Auszeit. Ihr Großvater Steiner ist gestorben und hat sie mit zu vielen offenen Fragen zurückgelassen.

Ina ist an der March, im österreichischen Grenzgebiet zur Slowakei, aufgewachsen, aber ihre Familie sind Karpatendeutsche, Vertriebene, die in Österreich nie heimisch geworden sind und nicht heimisch werden wollten. Die Vergangenheit liegt wie ein großer, alles erdrückender Schatten über dem Leben von Jahrzehnten, über der Familie, die daran zerbricht. Ina macht sich auf die Suche nach der Herkunft ihrer Familie in der heutigen Slowakei und Martin folgt ihr nach, auf eine Reise in die Vergangenheit und die Gegenwart von Ost und West, Tätern und Opfern, Verlierern und Gewinnern nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. In diesem großen Roman erzählt Constantin Göttfert präzis und dicht, atmosphärisch und spannend, mit einem Sinn für das groteske Detail von Schuld und Vertreibung, von Leid und Verrat, von ungesühnten Verbrechen und dem Überleben und davon, wie eine Gegenwart erst möglich ist, wenn der Schatten der Vergangenheit verfliegt.

PRESSESTIMMEN

»Der Österreicher Constantin Göttfert hat mit 'Steiners Geschichte' einen bewegenden Roman über Schuld. Vertreibung, Leid und Verrat geschrieben.«
Stern, 31. Juli 2014

zehnseiten.de-Lesung mit Constantin Göttfert @ YouTube Video: CHBeckLiteratur

 Constantin Göttfert
Bild: © Christoph Mukherjee
Constantin Göttfert, geboren 1979, lebt als freier Autor in Wien. Er studierte u. a. Germanistik in Wien und besuchte das Deutsche Literaturinstitut in Leipzig. Er veröffentlichte u. a. mehrere Prosabände, den Roman „Satus Katze“ (C.H.Beck 2011) und die Erzählung „Detroit“ (2012). Er erhielt eine Reihe von Preisen und Stipendien.
Moderation: Britta Gansebohm
Der Literarische Salon Britta Gansebohm
in der Z-BAR
Bergstr. 2, Nähe S-Bahnhof Oranienburger Straße , 10115 Berlin
www.z-bar.de
Eintritt: 7 Euro / ermäßigt 5 Euro (für Studenten & Berlinausweisträger)
Reservierung: 0175-5270777
oder per Mail: britta.gansebohm@salonkultur.de
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