Salonkultur - Der Literarische Salon - Berlin

Litrarische Salonkultur

Veranstaltungen 2013
Gelaufene Veranstaltung

Dienstag, 10. September 2013 um 20.30 Uhr
in der Z-BAR

BUCHPREMIERE: Lesung & Gespräch

Gernot Wolfram liest aus seinem druckfrischen Buch Der leuchtende Augenblick - Über Menschen und Orte des Lesens (Hentrich&Hentrich 2013)

Eine Veranstaltung im Rahmen des Vereins ”Freunde und Förderer des Literarischen Salons e.V.”

Zur Geschichte des Lesens gehören die Orte, an denen Menschen ihre besonderen Erfahrungen mit Büchern machen. Ob in Cafés, Krankenhäusern, Flugzeugen, U-Bahnen oder in politischen Verstecken, in Kriegszonen oder in den Ghettos der Alten und der Neuen Welt: die Lektüre verändert sich je nach Umgebung, in der Leser sich mit Texten beschäftigen. Auf einem farbig geschriebenen Pfad durch die Geschichte des Lesens, zeigt Gernot Wolfram die verschiedenen Räume, in denen das Lesen eine jeweils andere Bedeutung erfahren hat. Von den Klosterzellen des Mittelalters bis zu den Verstecken des Warschauer Ghettos, von den grünen Waldhainen der Romantik bis zu den gläsernen Bibliotheken der Postmoderne: Wolfram folgt Texten und Menschen und versucht zu zeigen, dass selbst im Zeitalter von E-books und Tablets die Sehnsucht nach den Augenblicken eines Zu-Sich-Selbst- Kommens im Raum der Literatur nicht verschwunden ist. Dabei folgt er auch den Spuren der jüdischen Lesetraditionen, in denen es nicht vordergründig um Bildung und Wissenserwerb geht, sondern um den Augenblick, in dem die Macht der Buchstaben das eigene Leben verändern kann. Das Buch wird durch zahlreiche Abbildungen ergänzt.

Leseauszug:
"Wer je einmal in einem Vorzimmer einer Arztpraxis Menschen beim Lesen beobachtet hat, kann allein an ihrer Haltung, an der Art und Weise, wie sie die Seiten umblättern oder über das Display ihrer E-books streichen, einen Eindruck davon gewinnen, welche unterschiedlichen Funktionen das Gelesene in diesem Moment, an diesem Ort für jeden Einzelnen von ihnen gerade hat. Der Blick in den Waggon einer U-Bahn oder in die großen Hallen einer öffentlichen Bibliothek offenbart nur scheinbar dasselbe: über ein Buch oder elektronische Geräte gebeugte Menschen. Dahinter verbirgt sich fraglos eine breite Landschaft vollkommen unterschiedlicher Wechselwirkungen zwischen Ort und Leser.

Der Ort des Lesens ist der Wald aus der jüdischen Geschichte – und er ist durchzogen von der Unruhe des Lesers, der in der Tat rastlos in Bewegung ist, um gemeinsam mit den Texten, die ihn gerade beschäftigen, jeweils ein anderer zu sein, wo immer er auch gerade liest."
Dr. phil. Gernot Wolfram
Bild: © Arash Marandi
Gernot Wolfram, 1975 geb. in Zittau/Sachsen, lebt als Autor und Publizist in Berlin.
Er schreibt Essays, Romane, Erzählungen, Theatertexte und publizierte eine Vielzahl von Artikeln und Essays in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, WELT, der Süddeutschen Zeitung, taz und Jüdischen Allgemeinen. Wolfram schreibt vor allem über Grenzerfahrungen von Menschen, die zwischen verschiedenen Kulturen unterwegs sind oder sein müssen, und beschäftigt sich mit den „nomadischen Erfahrungen“ von Menschen in großen Metropolen. Für seine Erzählung "Am Radio" erhielt er 2003 den "Walter-Serner-Preis", 2010 erhielt er den Inselschreiberpreis Sylt. Seine Erzählungen wurden in acht Sprachen übersetzt. Sein viel beachteter Essayband "Der leuchtende Augenblick - Über Menschen und Orte des Lesens" wurde als wichtiger Beitrag zu einem anderen Leseverständnis rezipiert. Im November 2018 erscheint sein neuer Essay "Die Kunst, für sich selbst zu sprechen" als Eigenproduktion der Bundeszentrale für politische Bildung.

Veröffentlichungen

  • Der Fremdländer, DVA, München 2003
  • Samuels Reise, DVA, München 2005
  • Birg mich - interkultureller Dialog und jüdische Identität bei Paul Celan und Chajim N. Bialik, Berlin [u.a.] 2006 (zugleich Diss. FU Berlin 2005)
  • Paul Mühsam - Der Widerstand der Wörter. Ein Leben zwischen Deutschland und Palästina (1876 - 1960), Hentrich & Hentrich, Berlin 2006
  • Paul Celan 1920 - 1970. Der Dichter des Anderen, Berlin 2009
  • Das Wüstenhaus, DVA, Berlin 2011
  • Der leuchtende Augenblick: Über Menschen und Orte des Lesens, Hentrich & Hentrich, Berlin 2013
Moderation: Britta Gansebohm
Der Literarische Salon Britta Gansebohm
in der Z-BAR
Bergstr. 2, Nähe S-Bahnhof Oranienburger Straße , 10115 Berlin
www.z-bar.de
Der literarische Salon
auf facebook