Gelaufene Veranstaltung
Mittwoch, 26. September 2007 um 20.30 Uhr
in der Z-BAR
Lesung
Katrin Heinau liest aus ihrem Buch "Der Papst ist ein Schwede. Erzählung"
Ein Dialog mit stummer Partnerin... , Allein aus der Stimme der Protagonistin gespeist... , Eine subjektive Sicht auf das Verhältnis von Deutschen und Polen zu Beginn dieses Jahrhunderts... , Eine Reise nach Polen, erzählt in einer Nacht.
Eine junge Polin, tätig als Volontärin in Deutschland, trifft in der Berliner U-Bahn auf eine Deutsche, die ihr zuhört. In der frisch gelernten fremden Sprache, zwischen Gelingen und Scheitern, großer Geste und clownesker Zerbrechlichkeit, redet sie sich genussvoll bis ans Bett ihrer neuen Bekannten, verbirgt und eröffnet Einblicke in ihre südpolnische Heimat.
Die beginnende erotische Spannung zwischen den beiden Frauen kann sie nicht verbergen, aber das Verdikt der katholischen Kirche verhindert die Annäherung. Sie spinnt den Faden einer fiktiven Reise, die die Freundin nach Krakau und in die dörfliche Umgebung entführt. Dort sitzen sie am Tisch der Familie und die Freundin erfährt, wie die polnische Geschichte Menschen bis auf den heutigen Tag krank macht; wie die geografische Nähe zu Auschwitz das Leben der Familie berührt; sie erfährt, wie der noch amtierende Papst Johannes Paul II. scheinbar immer präsent ist und auch, was er am liebsten zum Mittag isst; sie erlebt, wie die so hartnäckigen deutsch-polnischen Klischées unterm Apfelbaum ins Lachhafte kippen und doch sofort wieder da sind; und sie wird schließlich liebevoll aber bestimmt fortgeschickt, entlassen ins offene Ende einer noch nicht erfüllten Beziehung.
„Ich schlafe die ganze Nacht nicht. Wer ist schuld? Gott oder das Gesetz? Hast du das Wetter heute gemacht? Und warum kommst du niemals nach Krakau?“
Die Erzählung ist Katrin Heinaus viertes Buch. Nach ihrem Erzähldebüt „Die Fahrt ins Weiße“ (Verlag Engelbecken 1997) erschienen in kurzer Folge bei der Edition Erata Leipziger Literaturverlag die Erzählungen „Vier Männer“ (Frühjahr 2006) und der Roman „Evakuierung“ (Herbst 2007).

Bild: © Viktor Kalinke
Katrin Heinau wurde 1965 in Berlin geboren. Sie studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft sowie Germanistik an der FU Berlin und arbeitete im wissenschaftlichen Buchantiquariat. Als Dramaturgin war sie für Freie Theatergruppen tätig, absolvierte dann eine Schauspielausbildung und arbeitete als Schauspielerin in der Berliner Freien Szene.
Nach mehrjährigem Aufenthalt in Dresden lebt sie wieder in Berlin.
Katrin Heinau schreibt auch Theaterstücke, die in Berlin, Hamburg, Nordhausen, Magdeburg und Köln aufgeführt wurden.
Prosa- und Gedichtbeiträge erschienen in den Zeitschriften Konzepte, Kritische Ausgabe, Dichtungsring, Ostragehege.
Der Literarische Salon Britta Gansebohm
in der Z-BAR
Bergstr. 2, Nähe S-Bahnhof Oranienburger Straße
,
10115 Berlin