Gelaufene Veranstaltung
Montag, 24. September 2007 um 20.30 Uhr
in der Z-BAR
Lesung mit anschließendem Gespräch
Helmut Kuhn liest aus dem Buch "Murat Kurnaz: Fünf Jahre meines Lebens. Ein Bericht aus Guantanamo" und spricht über seine Begegnungen mit Murat Kurnaz
An sich ist die Nachricht, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht, nicht neu - aber gerade das ist das eigentlich Erschütternde: Nichts scheint diese Entwicklung aufzuhalten.
Auf der einen Seite steigt die Zahl der Deutschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben. Im Jahr 2005 waren das bereits gut zehn Millionen. Dem gegenüber steht die Zahl der Reichen, nämlich 1,6 Millionen Bürger, die mehr als 500.000 Euro besitzen, und Superreichen, mittlerweile 3.700 Bürger, die mehr als 30 Millionen Euro besitzen. Egal, an welchem Ende man ansetzt, seit Jahren gilt: Tendenz steigend. Aber was bedeuten diese Zahlen eigentlich für die Menschen?
Helmut Kuhn schaut sich deshalb die Extreme in der Republik genauer an: Er berichtet von hungrigen Kindern, die ohne ein Sozialprojekt nichts Warmes zu essen bekämen, von Menschen, die trotz größter Anstrengungen dem Teufelskreis einer Privatinsolvenz nicht entkommen, und er berichtet von den wirklich Reichen, die es sich gut gehen lassen. Kuhn verteufelt nichts und beschönigt nichts – er beobachtet und beschreibt, er redet mit den Menschen und lässt sie zu Wort kommen.
Dabei entsteht ein Bild, das uns beunruhigen sollte: Die Mitte verschwindet, die Extreme werden immer stärker, unsere Gesellschaft spaltet sich.

Bild: © Mathias Bothor
Helmut Kuhn wurde 1962 in München geboren, lebte lange Zeit in New York und schrieb u.a. für Stern Focus, die Süddeutsche Zeitung, die Zeit und die Neue Zürcher Zeitung.Heute wohnt er in Berlin und arbeitet als freier Journalist. 2002 erschien bei Marebuch sein hoch gelobter Debütroman Nordstern, in dem er die Geschichte seines Vaters - jener stach im Jahre 1977 mit der Segelyacht Nordstern IV als Chartergast in See und ist seitdem vermisst, ein Kriminal-Fall, der bis heute nicht aufgeklärt worden ist - in Form einer fiktionalisierten Vater-Sohn-Geschichte erzählte.
Der Literarische Salon Britta Gansebohm
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