Der Musikproduzent Peter Weidner ist mit Mitte 30 auf dem Gipfel seines Erfolgs angekommen: Er produziert Charthits am Stück, besitzt eine Eigentumswohnung in der Münchner Innenstadt, fährt Jaguar, ist smart, attraktiv und hat viel Freizeit. Seine aktuelle Lieblingsbeschäftigung sind Frauen, die per Kontaktanzeige die große Liebe suchen. Doch was auf den
ersten Blick aussieht wie ein erfülltes Leben, ist in Wirklichkeit ein Albtraum: Peter Weidner ist ein neurotischer Perfektionist und hasst Menschen - allen voran sich selbst - und ist immer darauf bedacht, nicht im nächsten Moment die Selbstbeherrschung zu verlieren: „Ich bin so arrogant wie verzweifelt. Gleichzeitig geladen und hilflos, und nur eiserne Selbstbeherrschung hält mich davon ab, mein Gegenüber nicht sofort umzubringen.“
Während Peter Weidner sich nach außen hin freundlich und zurückhaltend gibt, werden in seinem Inneren Widerwillen und Hassgefühle immer stärker und die Fassade beginnt zu bröckeln... Zynisch seziert der Autor Robin Felder in seinem Debüt seine Mitmenschen, die Musikbranche und die Gefühlskälte seines Protagonisten, dessen Innen- und Außenperspektive er ebenso berührend und überzeugend wie distanziert und unzugänglich schildert. „Unsympath“ ist ein radikales und erschreckend authentisches Buch, das bis zum Schluss fesselt und einen auch nach der Lektüre noch beschäftigt.
Moderation: Britta Gansebohm Der Literarische Salon Britta Gansebohm in der Z-BAR
Bergstr. 2, Nähe S-Bahnhof Oranienburger Straße
, 10115 Berlin Eintritt: 7 Euro/ ermäßigt 5 Euro Kartenreservierung:030 - 28389121
Vorankündigung
Mittwoch, 29. September 2010 um 20.30 Uhr
in der Z-BAR
LESUNG mit anschl. GESPRÄCH
Peter Wawerzinek liest aus seinem aktuellen und preisgekrönten Roman "RABENLIEBE" (Galani Berlin 2010)
Eine Veranstaltung im Rahmen des Vereins "Freunde und Förderer des Literarischen Salons e.V."
Über das Buch
Mehr als fünfzig Jahre quälte sich Peter Wawerzinek mit der Frage, warum seine Mutter ihn als Waise in der DDR zurückgelassen hatte. Dann fand und besuchte er sie.
Ihre Abwesenheit war das schwarze Loch, der alles verschlingende Negativpol in Peter Wawerzineks Leben. Wie hatte seine Mutter es ihm antun können, ihn als Kleinkind in der DDR zurückzulassen, als sie in den Westen floh? Der Junge, herumgereicht in verschiedenen Kinderheimen, blieb stumm bis weit ins vierte Jahr, mied Menschen, lauschte lieber den Vögeln, ahmte ihren Gesang nach, auf dem Rücken liegend, tschilpend und tschirpend. Die Köchin des Heims wollte ihn adoptieren, ihr Mann wollte das nicht. Eine Handwerkerfamilie nahm ihn auf, gab ihn aber wieder ans Heim zurück.
Wo war Heimat? Wo seine Wurzeln? Wo gehörte er hin?
Dass er auch eine Schwester hat, erfuhr er mit vierzehn. Im Heim hatte ihm niemand davon erzählt, auch später die ungeliebte Adoptionsmutter nicht. Als Grenz sol dat unternahm er einen Fluchtversuch Richtung Mutter in den Westen, kehrte aber, schon jenseits des Grenzzauns, auf halbem Weg wieder um. Wollte er sie, die ihn ausgestoßen und sich nie gemeldet hatte, wirk lich wiedersehen?
Zeitlebens kämpfte Peter Wawerzinek mit seiner Mutterlosigkeit. Als er sie Jahre nach dem Mauerfall aufsuchte und mit ihr die acht Halbgeschwister, die alle in derselben Kleinstadt lebten, war das über die Jahrzehnte überlebens groß gewordene Mutterbild der Wirklichkeit nicht gewachsen. Es blieb bei der einzigen Begegnung. Aber sie löste – nach jahrelanger Veröffentlichungspause – einen Schreibschub bei Peter Wawerzinek aus, in dem er sich das Trauma aus dem Leib schrieb: Über Jahre hinweg arbeitete er wie besessen an Rabenliebe, übersetzte das lebenslange Gefühl von Verlassenheit, Verlorenheit und Muttersehnsucht in ein großes Stück Literatur, das in der deutschsprachigen Literatur seinesgleichen noch nicht hatte.
PRESSESTIMMEN:
»Die schmerzvolle Geschichte eines Kindes, das von seiner Mutter in der DDR zurückgelassen wird, als sie in den Westen ausreist, stammt von einem Autor, der wirklich etwas zu sagen hat und dem differenzierte sprachliche Mittel zu Gebote stehen. Seine vielschichtige Textpartitur hinterließ im Wettbewerb den stärksten Eindruck und ging zu Recht als Siegertext aus dem Bachmann-Wettbewerb hervor.“«
Süddeutsche Zeitung
»Wawerzineks Text ist eine behutsame, aber dennoch vor Bildern sprudelnde Rekonstruktion von Erinnerungen, der man sich kaum entziehen konnte.«
taz
»Als am letzten Tag Peter Wawerzinek zu seiner dichten und intensiven DDR-Kindheitsgeschichte anhob, hatte man – zum ersten Mal in drei Tagen – das Gefühl, hier habe jemand wirklich etwas zu erzählen.«
FAZ
»Rabenliebe ist ein tolles Buch: unerträglich und laut, leise und liebevoll, geduldig und unduldsam, sprachmächtig und sprachlos zugleich. Es geht an die Nieren und zu Herzen, es macht bescheiden und sehr, sehr still. Ich kenne nichts, das ihm auf dem aktuellen Büchermarkt auch nur nahe kommt.«
Ernst-Jürgen Walberg / ndr
»Die gerettete Zunge singt … Peter Wawerzineks später Triumph
beweist, dass es, von sehr weit oben, aus dem All betrachtet, auch
in der Literatur Gerechtigkeit gibt.«
Richard Kämmerlings, FAZ
Moderation: Britta Gansebohm Der Literarische Salon Britta Gansebohm in der Z-BAR
Bergstr. 2, Nähe S-Bahnhof Oranienburger Straße
, 10115 Berlin Eintritt: 7 Euro/ ermäßigt 5 Euro Kartenreservierung:030 - 28389121