Salonkultur - Der Literarische Salon - Berlin

Litrarische Salonkultur

Aktuelle Veranstaltung

Mittwoch, 22. September 2010 um 20.00 Uhr
im BKA-Theater

Lesung mit Klaviermusik und anschl. Gespräch

Katharina Döbler liest aus ihrem Debütroman "Die Stille nach dem Gesang" (Verlag Galiani Berlin 2010) - Am Steinwayflügel: Tomas Bächli

Ein literarisches Debüt über eine Frau, die sich in den Schatten eines Mannes begibt und sich nach seinem Tod nicht wiederfindet.


Bild: © Verlag Galiani Berlin
Falk Margraf ist berühmt, er ist der rebellische Spross einer alten Bayreuther Großbürgerfamilie, der Wagner gegen die Rockmusik eingetauscht hat, vor allem aber hat er das Lied geschrieben, das das Lebensgefühl einer aufsässigen Generation traf und gleichzeitig prägte. Wen wundert es, dass die aus einfachen Verhältnissen stammende junge Sängerin Alex es Anfang der Achtziger für den Glücksfall ihres Lebens hielt, ihn getroffen und ihm offensichtlich ziemlich gut gefallen zu haben. Und wenn auch Falks machtbewusste Schwester Isolde, nach deren Seminar es zu dem Treffen kam, gerade ihren Elevinnen geraten hatte, lieber Intendantinnen zu werden statt Sängerinnen – Alex entschließt sich, den mühsamen Weg der eigenen Karriere gegen ein erheblich unanstrengenderes Leben mit Falk einzutauschen.

Siebzehn Jahre später ist sie klüger: Sieben Jahre ist Falk da schon tot und sie sitzt mit zwei unehelichen Kindern und einem handfesten Trauma vereinsamt und ohne wirkliches Ziel in Berlin, Isolde Margraf gibt ihr die Schuld an Falks Tod und schneidet sie, und nur die Mutter Falks, das erratische Oberhaupt des inzwischen stark dezimierten Margraf-Clans, hält noch den Kontakt zu ihr; schließlich ist Alex’ Tochter Wanda ihre einzige Enkelin.

Katharina Döbler gelingt in ihrem Debütroman Die Stille nach dem Gesang ein kleines Mirakel: Sie erzählt in einem raffiniert gebauten Roman nicht nur das Leben einer Frau, die sich in den Schatten eines Mannes begeben hat, aus dem sie nicht herausfindet, sondern zeichnet auch das Portrait einer ganzen Generation, die unangepasst und rebellisch startete, sich aber in unendlich vielen pragmatischen Kompromissen verlor, und vom Niedergang dessen, was einst unter dem Namen Bildungsbürgertum den kulturellen Ersatzadel Deutschlands darstellte.

 Katharina Döbler
Bild: © Katharina Behling
Katharina Döbler, aufgewachsen in München, lebt seit Ende der siebziger Jahre in Berlin. Sie arbeitet als Literaturkritikerin, ist Autorin eines Theaterstücks und von Hörspielen sowie Redakteurin bei Le Monde diplomatique. Die Stille mach dem Gesang wurde vom Deutschen Literaturfonds in Darmstadt gefördert.
Moderation: Britta Gansebohm
Der Literarische Salon Britta Gansebohm
im BKA-Theater
Mehringdamm 34, Berlin-Kreuzberg (UBhf.: Mehringdamm), 10961 Berlin
Eintritt: 8 Euro/ VVK + Erm.: 6 Euro
Kartenreservierung: 030- 20 22 007
Vorankündigung

Mittwoch, 29. September 2010 um 20.30 Uhr
in der Z-BAR

LESUNG mit anschl. GESPRÄCH

Peter Wawerzinek liest aus seinem aktuellen und preisgekrönten Roman "RABENLIEBE" (Galani Berlin 2010)

Eine Veranstaltung im Rahmen des Vereins "Freunde und Förderer des Literarischen Salons e.V."


Bild: © Galani Berlin 2010
Peter Wawerzinek ist ein Weggefährte des Literarischen Salons seit der ersten Stunde vor 15 Jahren und hat häufig an den verschiedenen Orten des Literarischen Salons gelesen. Nach einer langen Pause hat er nun mit "Rabenliebe" einen ergreifenden Text veröffentlicht.

Über das Buch
Mehr als fünfzig Jahre quälte sich Peter Wawerzinek mit der Frage, warum seine Mutter ihn als Waise in der DDR zurückgelassen hatte. Dann fand und besuchte er sie.

Ihre Abwesenheit war das schwarze Loch, der alles verschlingende Negativpol in Peter Wawerzineks Leben. Wie hatte seine Mutter es ihm antun können, ihn als Kleinkind in der DDR zurückzulassen, als sie in den Westen floh? Der Junge, herumgereicht in verschiedenen Kinderheimen, blieb stumm bis weit ins vierte Jahr, mied Menschen, lauschte lieber den Vögeln, ahmte ihren Gesang nach, auf dem Rücken liegend, tschilpend und tschirpend. Die Köchin des Heims wollte ihn adoptieren, ihr Mann wollte das nicht. Eine Handwerkerfamilie nahm ihn auf, gab ihn aber wieder ans Heim zurück.
Wo war Heimat? Wo seine Wurzeln? Wo gehörte er hin?

Dass er auch eine Schwester hat, erfuhr er mit vierzehn. Im Heim hatte ihm niemand davon erzählt, auch später die ungeliebte Adoptionsmutter nicht. Als Grenz sol dat unternahm er einen Fluchtversuch Richtung Mutter in den Westen, kehrte aber, schon jenseits des Grenzzauns, auf halbem Weg wieder um. Wollte er sie, die ihn ausgestoßen und sich nie gemeldet hatte, wirk lich wiedersehen?

Zeitlebens kämpfte Peter Wawerzinek mit seiner Mutterlosigkeit. Als er sie Jahre nach dem Mauerfall aufsuchte und mit ihr die acht Halbgeschwister, die alle in derselben Kleinstadt lebten, war das über die Jahrzehnte überlebens groß gewordene Mutterbild der Wirklichkeit nicht gewachsen. Es blieb bei der einzigen Begegnung. Aber sie löste – nach jahrelanger Veröffentlichungspause – einen Schreibschub bei Peter Wawerzinek aus, in dem er sich das Trauma aus dem Leib schrieb: Über Jahre hinweg arbeitete er wie besessen an Rabenliebe, übersetzte das lebenslange Gefühl von Verlassenheit, Verlorenheit und Muttersehnsucht in ein großes Stück Literatur, das in der deutschsprachigen Literatur seinesgleichen noch nicht hatte.


PRESSESTIMMEN:

»Die schmerzvolle Geschichte eines Kindes, das von seiner Mutter in der DDR zurückgelassen wird, als sie in den Westen ausreist, stammt von einem Autor, der wirklich etwas zu sagen hat und dem differenzierte sprachliche Mittel zu Gebote stehen. Seine vielschichtige Textpartitur hinterließ im Wettbewerb den stärksten Eindruck und ging zu Recht als Siegertext aus dem Bachmann-Wettbewerb hervor.“«
Süddeutsche Zeitung

»Wawerzineks Text ist eine behutsame, aber dennoch vor Bildern sprudelnde Rekonstruktion von Erinnerungen, der man sich kaum entziehen konnte.«
taz

»Als am letzten Tag Peter Wawerzinek zu seiner dichten und intensiven DDR-Kindheitsgeschichte anhob, hatte man – zum ersten Mal in drei Tagen – das Gefühl, hier habe jemand wirklich etwas zu erzählen.«
FAZ

»Rabenliebe ist ein tolles Buch: unerträglich und laut, leise und liebevoll, geduldig und unduldsam, sprachmächtig und sprachlos zugleich. Es geht an die Nieren und zu Herzen, es macht bescheiden und sehr, sehr still. Ich kenne nichts, das ihm auf dem aktuellen Büchermarkt auch nur nahe kommt.«
Ernst-Jürgen Walberg / ndr

»Die gerettete Zunge singt … Peter Wawerzineks später Triumph
beweist, dass es, von sehr weit oben, aus dem All betrachtet, auch
in der Literatur Gerechtigkeit gibt.«
Richard Kämmerlings, FAZ

 Peter Wawerzinek
Bild: © Susanne Schleyer/autorenarchiv.de
Peter Wawerzinek wurde unter dem Namen Peter Runkel 1954 in Rostock geboren. Er wuchs in verschiedenen Heimen und bei verschiedenen Pflegefamilien auf. Seit 1988 freier Schriftsteller, Regisseur, Hörspielautor und Sänger. Peter Wawerzinek erhielt in Klagenfurt neben dem Bachmann-Preis auch den Publikumspreis, der ihm fast noch wichtiger ist, weil er zeigt, dass die Leser jenseits der Literaturkritik neugierig auf die Geschichte sind, die er zu erzählen hat. Rabenliebe ist auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2010.
Moderation: Britta Gansebohm
Der Literarische Salon Britta Gansebohm
in der Z-BAR
Bergstr. 2, Nähe S-Bahnhof Oranienburger Straße , 10115 Berlin
Eintritt: 7 Euro/ ermäßigt 5 Euro
Kartenreservierung: 030 - 28389121